Es werde Gnade
Aurora Borealis, die Nordlichter“, sagte Anne. ‚Wie wunderbar.‘ Ich überlegte, wie man diese Pracht in Worte fassen könnte. Das hatte sie nicht nötig. Lass mich mit der Magie in Ruhe“, unterbrach sie mich. Sie erinnerte mich an die Antwort meiner Mutter auf meinen Versuch zu erklären, warum die Pfeilwurz (engl. prayer plant) bei Einbruch der Nacht ihre Blätter zum Lobpreis erhebt. ‚Sie betet‘, sagte sie. ‚Das reicht.‘ Das waren beides gute Nachrichten, denn sie brachten mich zurück zur Quelle unserer besten Resonanz, nämlich dem Staunen und dem Lobpreis. Das Wunderbare darf sich niemals einer verbalen Formel unterordnen. Wir stehen z.B. vor einem Sonnenuntergang und sagen: ‚Ah‘, denn es ist wirklich ein Moment voller Ehrfurcht. Und wenn wir nach einem Wort suchen müssen, dann soll es ‚Gnade‘ sein! Der heilige Paulus sah in der Tat dieses Wort als seinen besten Verbündeten, als er über die Frohe Botschaft schrieb, die für ihn ganz und gar Gnade und Anmut war, voll Anmut gegeben und die Saiten der Dankbarkeit in denen zupfend, die sie hörten. Das Gleiche gilt für Gerard Manley Hopkins, der bemerkte, dass das Geheimnis der Inkarnation – des über uns hinausgehenden Gottes, der in Jesus in unseren Kreislauf eintritt – niemals auf ‚eine theologische Gleichung‘ reduziert werden kann, denn sein Wunder ‚lässt den Verstand zittern, balanciert, aber auf dem Köcher‘. Bebend.
So sprechen wir von ‚Klimawandel‘ oder ‚globaler Erwärmung‘ und haben keine Ahnung, was wir damit meinen, es sei denn, wir müssten jeden Tag weiter laufen, um Wasser zu holen, hätten unser Haus verloren oder als Rentierzüchter gesehen, wie unsere Rentiere durch das dünner werdende Eis fielen.
Hugh O’Donnell SDB, The Sacred Heart Messenger, Juni 2024