Was willst du?
„Was willst du?“ fragt Jesus in den Evangelien oft. Wie die Menschen diese Frage beantworten, ist ein Hinweis darauf, wo ihre Prioritäten liegen. Als Jesus dem blinden Mann die Frage stellte, antwortete er: ‚Lass mich wieder sehen‘. Als Jesus zu Beginn des Johannesevangeliums den Jüngern von Johannes dem Täufer die Frage stellte, antworteten sie: ‚Wo wohnst Du? In beiden Fällen konnte Jesus auf die Antwort, die er auf seine Frage erhielt, reagieren. Als er dieselbe Frage der Mutter von zweien der Zwölf, nämlich Jakobus und Johannes, stellte, konnte Jesus nicht auf ihre Antwort reagieren, denn diese Antwort verriet, dass sie vor allem wollte, dass ihre Söhne in Jesu Reich Status und Ehre erlangen. Damit offenbarte sie ein falsches Verständnis vom Wesen des Reiches, das Jesus zu verkünden gekommen war. Es war gerade in dem Moment, als Jesus bar jeden Status und Ehre an einem römischen Kreuz hing, dass er öffentlich zum König ausgerufen wurde. Dies war als Spott gedacht, aber ironischerweise verkündete es eine Wahrheit. Jesus offenbarte Gottes Reich der Liebe in diesem Moment der größten Schande und Erniedrigung am deutlichsten. Jakobus, Johannes und die anderen Jünger mussten wissen, dass sie sich auf ein Reich einließen, das nichts mit den Königreichen dieser Welt zu tun hatte. Jesus gehörte nicht zu den „Herrschern“ und „großen Männern“, die über ihre Untertanen „herrschen“ und sie „ihre Autorität spüren lassen“. Seine Autorität zeigte sich nicht darin, dass er sich bedienen ließ, sondern darin, dass er sich seiner selbst entäußerte und anderen aus Liebe diente. Das Gleiche gilt für alle, die seine Jünger sein wollen. Das Werk Jesu besteht auch heute noch darin, Gottes Reich auf die Erde zu bringen, nicht ein weiteres irdisches Reich zu errichten.
Martin Hogan, Das Wort ist eine Lampe auf meinem Weg